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Ruhestandsplanung für die Zielgruppe 50plus

Nov 25, 2020

Bei 20 Millionen Haushalten in Deutschland ist der Haupteinkommensbezieher über 50 Jahre alt. Ein Viertel davon beschäftigt sich aktuell mit der Frage, wie das Vermögen als Rentner aussehen soll. Eine passende Ruhestandsberatung ist nicht selten Mangelware.

Wer wünscht sich nicht eine Rente mit genügend Geld für Alltag, Reisen und all den Dingen, die im Arbeitsleben zu kurz kamen? Zeit ist dann immerhin reichlich vorhanden. Durch die steigende Lebenserwartung beträgt die Rentenphase im Schnitt über 20 Jahre. Wie können wir nun aber auskömmliche finanzielle Mittel im Alter erreichen? Wie muss eine Ruhestandsplanung aussehen?

Jahrzehntelang war die Antwort darauf einfach: Rentenkasse, Lebensversicherung, Festgeld. Langfristige Sparer kamen als Senioren gut aus. In Zeiten von Niedrigzinsen und demografischen Wandel sieht die Lage jedoch ganz anders aus. Eine passende Ruhestandsplanung ist von Nöten.

Wie diese aussehen kann, beschreibt das Buch „Ruhestandsplanung – Beratungsansatz für die Zielgruppe 50plus“ von Dirk Schiereck, Jochen Ruß, Rolf Tilmes und Torsten Haupt. In der vor Kurzem erschienenen zweiten Auflage beschreiben die Herausgeber Grundlagen sowie Umsetzung der Ruhestandsplanung und wie die Sicherung des lebenslangen Einkommens gelingt. Das Buch richtet sich damit sowohl an professionelle Finanzberater als auch an Kunden im Alter 50plus, die sich auf den Ausstieg aus dem Erwerbsleben finanziell vorbereiten wollen.

Nicht zu sehr auf die Lebenserwartung setzen

Das meist unterschätzte Risiko in der Rentenzeit ist laut den Autoren tatsächlich die Langlebigkeit. Die aktuelle Lebenserwartung in Deutschland liegt bei rund 81 Jahren. Männer leben dabei mit 79 etwas kürzer als Frauen mit 83 Jahren. Viele verkennen dabei, wie lange der Ruhestand tatsächlich sein wird, wenn bereits mit 63 oder früher in Rente gegangen wird. Hinzu kommt, dass die Lebensdauer statistisch von Jahr zu Jahr steigt. Zweiter Punkt: Nicht jeder lebt genau so lange wie es die Durchschnittszahlen vorgeben. Auch 90- und 100-Jährige kommen in Deutschland immer häufiger vor. Wer dann mit seinem Aktienplan nur bis 85 Jahre gerechnet hat, steht vor einem großen Problem. Berater setzen heute nach Einschätzung der Buchautoren einen zu starken Fokus auf das Sparen fürs Alter. Die Gefahr, länger zu leben, wird meist ausgeblendet. Das Langlebigkeitsrisiko sollte daher der zentrale Bestandteil der Planung sein, so die Autoren.

Ruhestandsplanung ist auch emotional

Des Weiteren geht das Buch auf die gängigsten Geschäftsmodelle deutscher Lebensversicherer ein und welche Stärken bzw. Schwächen sich daraus ergeben. Zusätzlich werden Aktiensparpläne, ETFs und Immobilien für die Ruhestandsplanung besprochen. Interessant ist auch das Thema der Verhaltensökonomie in Kapitel vier. Ruhestandspläne sind nämlich neben detaillierten Informationen vor allem eines: Entscheidungen von Menschen. Diese handeln allerdings nicht immer rational. Es lassen sich den Autoren zufolge große Unterschiede beobachten zwischen dem, was Menschen wollen, und dem, was sie eigentlich brauchen.

Besonders das Gerechtigkeitsempfinden spielt dabei eine Rolle. Nüchtern betrachtet, müssten die Deutschen eine Vielzahl von Versicherungskonzepten als gerecht empfinden. Der Grundgedanke einer Versicherung ist der Ausgleich von Risiko im Kollektiv. Alle zahlen einen vergleichsweise kleinen Betrag ein, im Gegenzug übernimmt das Kollektiv im Fall eines Schadens die eigenen sehr hohen Kosten. Bei einer Rentenversicherung ist das versicherte Risiko ein überdurchschnittlich langes Leben.

In Experimenten wurde jedoch bereits beobachtet, dass Menschen häufig emotionaler handeln, als es ihnen gut tut. Person A erhielt 100 Euro und musste davon einen Teil an Person B abgeben. Person B durfte dann entscheiden, ob sie den Betrag behalten möchte. Lehnte sie diesen ab, gingen beide leer aus. In der Theorie würde A einen Euro abgeben, um so die größtmöglichste Summe für sich zu beanspruchen (99 Euro). Person B müsste rational gesehen jeden Betrag von A annehmen, da ein Euro immer noch besser ist, als gar kein Geld zu bekommen. In Studien zeigte sich jedoch, dass Angebote an B unter 30 Euro abgelehnt wurden. Im Schnitt machten beide 50:50. Das Gerechtigkeitsempfinden (A zieht mich ab) war einfach stärker als der Wunsch, den größten Nutzen für sich aus den 100 Euro zu ziehen. In der Wissenschaft wird dieses Verhalten mit der menschlichen Tendenz zu fairem und bestrafendem Verhalten interpretiert.

Dieser Artikel von Anika Schulz wurde mit freundlicher Genehmigung des Deutschen Instituts für Altersvorsorge veröffentlicht.

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